Der Anwalt & Steuerbearater 4.0

10/2017

Mit seinem Artikel «Digitalisierung als Chance - Richtiges Beurteilen und Handeln vorausgesetzt» liefert Marius Klauser (Direktor & CEO von EXPERTsuisse) im Expert Focus 2017/1-2 einen wichtigen Input zur aktuellen Diskussion (und für den nachfolgenden Beitrag) über die Digitalisierung der Steuer- und Rechtsberatung. Ein Thema, mit dem sich insbesondere Rechtsanwälte, Steuerberater und Treuhänder in Zukunft vermehrt befassen müssen.

Gerade für die auf Wissen und Erfahrung basierenden Beratungsberufe bietet die fortschreitende Digitalisierung nicht nur neue praktische und rechtliche Herausforderungen, sondern auch in erster Linie neue Möglichkeiten, den beruflichen Alltag und die Beziehung zu Kunden und Klienten neu zu gestalten.

Hierbei ist es von grösster Bedeutung, nicht nur die eigenen Arbeitsprozesse (u.a. das Knowledge Management und die interne Kommunikation) aus einem digitalen Blickwinkel zu betrachten und allenfalls neu zu justieren, sondern insbesondere den Austausch mit Kunden und Klienten sowie ganz allgemein den marketingrelevanten Auftritt unter digitalen Aspekten zu überdenken und gegebenenfalls anzupassen. Die Kunden und Klienten nutzen zunehmend digitale Medien - nicht nur für die jüngere Generation gehören diese vielerorts bereits zum gewohnten Alltag. Die digitale Entwicklung betrifft damit nicht nur die internen Arbeitsprozesse, sondern beeinflusst vor allem auch die Zusammenarbeit mit Klienten und die Beziehung zu potenziellen Neukunden, was es letztlich vor allem beim Marketing wissensbasierter Dienstleistungen zu berücksichtigen gilt.

Dementsprechend sollte bei der Umsetzung digitaler Strategien in Anwaltskanzleien, Steuerberatungs- und Treuhandunternehmen nicht nur die Organisation der internen Prozesse mit dem Wandel der Zeit gehen, sondern der digitale Fussabdruck insbesondere auch im Aussenauftritt sichtbare Spuren hinterlassen. Die Mandantengewinnung über Website, Blog, Chat und Social Media bietet vielfältige Chancen und sollte keinesfalls unterschätzt werden. Hierbei gilt es insbesondere bei den wissensbasierten Berufen, Inhalte und Personen stärker in den Fokus zu rücken und sich durch zielgerichtete Aktivitäten bewusst von der breiten Masse abzuheben.

Denn gerade in Zeiten zunehmender Digitalisierung zeigt sich, dass trotz oder gerade aufgrund der zunehmenden Automatisierung von Routineprozessen der Mensch von seiner persönlichen Seite, als zuverlässiger Partner und Experte, wieder stärker im Mittelpunkt stehen wird. Wie Marius Klauser in seinem Beitrag zutreffend schreibt, werden zwar zahlreiche Routineaufgaben automatisiert, die komplexen Fragestellungen hingegen, die eines echten Experten bedürfen, nehmen zu. Gerade hier sind charakterstarke und fachlich versierte Persönlichkeiten gefragt, die sich - ganz im Trend der Digitalisierung - schnell und unkompliziert, aber persönlich den komplexen Fragestellungen ihrer Kunden und Klienten annehmen, um sie auf qualitativ hohem Niveau zu beurteilen und zu lösen.

Dieses Wechselspiel zwischen Digitalisierung und Personifizierung gilt es bei der Ausarbeitung und der Umsetzung digitaler Strategien im Bereich der wissensbasierten Berufe zu beachten. Digitale Strategien sollten so umgesetzt werden, dass sinnvolle und einfach bedienbare Automatismen den beruflichen Alltag des Beraters erleichtern und seinem Kunden einen tatsächlichen Mehrwert bieten, um letztlich den Berater - als Menschen und unersetzlichen Experten auf seinem Fachgebiet - gezielt in den Fokus zu rücken.

Die Digitalisierung der Beratungsbranche bietet demzufolge vor allem kleineren und mittleren Unternehmen die Chance, personalintensive Routineprozesse zu automatisieren, um sich in spezifischen Fragestellungen und Nischengebieten, die vor allem Erfahrung und echtes Expertenwissen verlangen, durch Persönlichkeit und Kundennähe zu profilieren.

Sofern im oben stehenden Text von Anwälten, Steuerberatern und Treuhändern gesprochen wird, ist die weibliche Form selbstredend miteingeschlossen.